Nachhaltigkeit

„Wir verstehen uns als Architekten des nachhaltigen Güterverkehrs“

4 Dezember 2025
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Lesedauer: 7 Minuten

Eine nachhaltige Zukunft entsteht nur, wenn Worte in Taten umgesetzt werden. Aus dieser Überzeugung heraus hat Steffen Bauer, CEO der HGK-Gruppe, kürzlich einen Kooperationsvertrag mit der Port of Rotterdam Authority.

 Steffen Bauer
Foto Marc Nolte

Nachhaltigkeit ist für Steffen Bauer eine persönliche Mission. „Es ist mir wichtig, dass meine Tochter und später vielleicht auch meine Enkelkinder in einer lebenswerten Welt aufwachsen. Ich werde alles dafür tun, diese Welt aktiv mitzugestalten – und nicht nur darüber zu sprechen. Deshalb habe ich Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt unserer Unternehmensstrategie gestellt. Wenn Unternehmen lediglich über Nachhaltigkeit berichten oder nur dann investieren, wenn es Subventionen gibt, bleibt es bei Worten und Schönfärberei. Das verstehe ich nicht als echtes Engagement. Für mich ist es ein Privileg, ein Unternehmen mit nachhaltigen Assets zu führen – mit Terminals, Schiffen und Schienenverkehr. Im Nachlauf kommt ein begrenzter Anteil an Lkw-Verkehr zum Einsatz, den wir weitestgehend elektrifizieren. Wir verstehen uns als Architekten des nachhaltigen Güterverkehrs.“

„Wenn man nur über Nachhaltigkeit berichtet und kommuniziert, bleibt es bei Schönfärberei: nachhaltig handeln und es nicht nur als Berichtspflicht sehen.“
Steffen Bauer, CEO, HGK Groep

Leidenschaft für Logistik

Als Schüler hatte Steffen Bauer nie eine Karriere in der Logistik ins Auge gefasst. „Ursprünglich wollte ich Jurist werden, doch später entschied ich mich für eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Auf Empfehlung eines Familienmitglieds bewarb ich mich bei einem Logistikunternehmen. Während eines Vorstellungsgesprächs bei Lehnkering lernte ich die Logistik in ihrer ganzen Vielfalt kennen – von Verzollung über Güterströme bis hin zu Geld- und Informationsflüssen. Ich war begeistert und wusste sofort: Hier möchte ich meine Ausbildung machen.“

Bei Lehnkering stieg er vom Praktikanten zum Assistenten der Geschäftsleitung auf und absolvierte nebenbei ein Teilzeitstudium der Betriebswirtschaft. Im Zuge von Übernahmen agierte er in verschiedenen Managementfunktionen bei Imperial Logistics und später bei der HGK AG. „Mich reizte es schon immer, Neues innerhalb der Logistik kennenzulernen. Das hat meine Leidenschaft für diese Branche nur noch verstärkt.“

Dynamik als Energiequelle

Gerade in Zeiten großer Veränderungen zeigt sich laut Steffen Bauer, wie stark die Wirtschaft von einer gut funktionierenden Infrastruktur und Logistik abhängt. „Seit etwa 25 Jahren folgen die Krisen in Europa immer schneller aufeinander. Man kann mittlerweile fast schon von einem Dauerkrisenmodus sprechen: Corona, der Ukraine-Krieg, Eskalationen im Nahen Osten und nun wirtschaftliche Handelskonflikte. Die Energiewende führt dazu, dass ganze Branchen aus dem europäischen Markt ausscheiden. Da der internationale Wettbewerbsdruck weiter zunimmt, müssen Infrastruktur- und Digitalisierungsprojekte zügig vorankommen. Wir dürfen nicht in veralteten Strukturen verharren. Natürlich braucht es stets eine sorgfältige Risikoabwägung, doch wir sollten Dynamik auch als eine Form von Energie begreifen. Persönlich bewege ich mich gerne in einem dynamischen Umfeld. Wer im Statischen verharrt und nur Vor- und Nachteile abwägt, trifft keine Entscheidungen. Wir erwarten in den kommenden Jahren eine teilweise Deindustrialisierung – in mancher Hinsicht befinden wir uns bereits mittendrin. Das bedeutet, dass wir künftig mehr importieren müssen, denn auch morgen werden die Europäer bestmöglich leben und konsumieren wollen. Wir erleben somit eine Verlagerung vom Export hin zum Import. Auch dieser Wandel muss logistisch vorbereitet werden.“

„Die Umstellung von Export auf Import bietet Chancen für die Nachhaltigkeit.“

Schwarz-weiß-Foto einer Person in einem Anzug, die auf einer Bank sitzt. Im Hintergrund sind Geländer, eine Brücke und unscharfe Gebäude zu sehen, was auf eine städtische Umgebung hinweist.

Von fossilen Kraftstoffen zur Nachhaltigkeit

2023 unterzeichnete Steffen Bauer als CEO von HGK Shipping, dem Binnenschifffahrtszweig der HGK-Gruppe und der größten Binnenschifffahrtsreederei Europas, eine Kooperationsvereinbarung mit der Port of Rotterdam Authority über nachhaltigen Transport ins Hinterland – mit Schwerpunkt auf Wasserstofflogistik und CO₂-Reduzierung. „Eine bessere Welt beginnt mit einer geringeren Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Während wir vor einhundert Jahren eine Infrastruktur für Öl, Kohle und Gas aufgebaut haben, brauchen wir heute eine vergleichbare Infrastruktur für grüne Energieträger. Der Port of Rotterdam Authority spielt dabei eine Schlüsselrolle mit Investitionen in die Lagerung und den Umschlag von Ammoniak und anderen Wasserstoffträgern, die auf dem Seeweg angeliefert werden. Wir können diese nachhaltig ins Hinterland transportieren.“

Persönliches Engagement

Kürzlich wurde die bestehende Partnerschaft auf die gesamte HGK-Gruppe ausgeweitet, einschließlich der Eisenbahngesellschaft RheinCargo und der Containerterminals von HGK. Damit unterstreicht Steffen Bauer, nun CEO der HGK-Gruppe, erneut sein Engagement. „Für mich ist Nachhaltigkeit ein persönlicher Ansatz. Aus dieser Überzeugung heraus fühle ich mich der Kooperation mit der Port of Rotterdam Authority eng verbunden. Gemeinsam können wir eine nachhaltige Versorgung der europäischen Industrie mit Wasserstoff oder anderen nicht-fossilen Brennstoffen sicherstellen. Als HGK-Gruppe investieren wir zudem in Schiffe für den Abtransport von abgeschiedenem CO₂. Langfristig werden wir stärker in den Aufbau der Kreislaufwirtschaft einsteigen und sowohl in unserem Hafen- als auch im Schifffahrts- und Bahnbereich die Voraussetzungen schaffen, um recycelbare Produkte an die richtigen Wiederverwertungsanlagen transportieren zu können. Viele Abfallströme wie Schrott, alte Matratzen und Kleidung werden seit Jahrzehnten ausgeführt. Wenn wir diese innerhalb des Systems halten und gut recyceln können, bietet sich hier eine klare Chance für Logistikunternehmen.“

Rationelle Nachhaltigkeit

Die neuen Schiffe, die HGK Shipping bauen lässt, sind standardmäßig mit einem dieselelektrischen Antrieb und einem energieeffizienten Energiemanagementsystem ausgestattet. Steffen Bauer zufolge wird die Industrie bestimmen, welchen Kraftstoff die Logistikbranche letztlich nutzen wird. „Vor einhundert Jahren war es Diesel, in Zukunft könnte es Wasserstoff sein. Sobald große Mengen Wasserstoff über den Rotterdamer Hafen verfügbar sind, wird der Preis sinken und der Umstieg erfolgt automatisch. Die Rheinschifffahrt wird der Seeschifffahrt folgen: Wenn dort Methanol- oder Ammoniakmotoren den Durchbruch schaffen, entsteht eine Ladeinfrastruktur, die auch Binnenschiffe nutzen können. Ammoniak und Methanol lassen sich zudem gut über den Rhein transportieren. Da er die großen Seehäfen direkt mit den zentralen Industrieclustern verbindet und damit einen schnellen und effizienten Zugang zu neuen Energieträgern schafft, bietet sich der Rhein dafür besonders an.“ Als Übergangskraftstoff hält Steffen Bauer HVO, mit Wasserstoff behandeltes Pflanzenöl, für eine praktikable Lösung. „Wenn die Politik wirklich will, dass der Sektor bis 2050 klimaneutral wird, muss die Preisdifferenz zu Gasöl subventioniert werden, denn die Verlader werden das nicht bezahlen. Züge und Personenkraftwagen können mit Ökostrom fahren, aber für die Binnenschifffahrt ist die Herausforderung größer. Der Sektor ist zu klein, um eigene Motorenentwicklungen durchzusetzen. HVO ist nur begrenzt verfügbar, reicht aber für die Binnenschifffahrt aus. In zehn Jahren können wir bei geeigneter Verfügbarkeit auf eine andere Technologie umsteigen, um die Ziele zu erreichen.“

Zukunftsorientierte Förderung

In der Zwischenzeit benötigt die Binnenschifffahrt vor allem Stabilität, betont Steffen Bauer, der sich auf nationaler und europäischer Ebene dafür einsetzt. „Die Binnenschifffahrt muss eine Zukunft haben und darf aufgrund ihrer kleinen Lobby nicht außer Acht gelassen werden. Wasserstoffwirtschaft, CO₂-Reduzierung und Kreislaufwirtschaft lassen sich nur mit Schienenverkehr und Binnenschifffahrt realisieren. Ich empfehle der Politik, den Bau von niedrigwassertauglichen Schiffen mit Stage-V-Motoren zu unterstützen und Subventionen für die Modernisierung bestehender Schiffe an eine Altersgrenze zu knüpfen. Die knappen Mittel sollten dorthin fließen, wo sie langfristig Bestand haben – in Schiffe, die auch 2050 noch unterwegs sind. Partikuliere mit älteren Schiffen müssen vor allem ihre Existenz sichern können. Sie sollten nicht zusätzlich mit Bußgeldern, höheren Hafengebühren oder Emissionsabgaben belastet werden.“

<strong> Steffen Bauer </strong>
Foto Marc Nolte

Digitale Transformation

Um die digitale Transformation in der Binnenschifffahrt zu beschleunigen, investiert HGK Shipping in eine eigene KI-Plattform und arbeitet gemeinsam mit Seafar am besatzungsoptimierten, weil (teilweise) autonomen Fahren. „Auf dem Albertkanal in Belgien dürfen wir inzwischen mit weniger Schiffsführern fahren. In den Niederlanden und Deutschland werden wir die Testphase in den nächsten zwölf bis sechzehn Monaten abschließen. Die technische Machbarkeit ist erwiesen; danach geht es nur noch um den letzten entscheidenden Schritt: die rechtliche und versicherungstechnische Zulassung. Wenn das gelingt, haben wir eine Lösung, die den gesamten Sektor wesentlich voranbringen wird. Ich bin überzeugt, dass wir das erfolgreich umsetzen!“

Gemeinsam erfolgreich

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg - ein Sprichwort, das voll und ganz auf Steffen Bauer zutrifft. Seine Begeisterung, gemeinsam mit Partnern an zukunftsorientierten Lösungen zu arbeiten, ist unverkennbar. Von der nationalen und europäischen Politik erwartet er einen stabilen Kompass und klare Richtlinien, damit Unternehmen, die in Nachhaltigkeit und Innovation investieren, ihren Kurs beibehalten können. „In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten kostet es viel Energie, die Basis seines Unternehmens stabil zu halten und gleichzeitig innovativ zu sein“, erklärt Steffen Bauer. Weniger Bürokratie, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie der Schutz von Kernbranchen wie der Chemie- und Stahlindustrie sind seiner Meinung nach unerlässlich. Dennoch möchte er als Unternehmer nicht mit erhobenem Zeigefinger auf die Politik zugehen. „Wer Veränderungen will, muss auch selbst Ideen einbringen, wie eine nachhaltige Zukunft aussehen kann. Und wer könnte das besser als die Häfen und Logistikdienstleister hier am Rhein? Wir sind von Natur aus miteinander verbunden und wissen aus Erfahrung, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können. Deshalb ist mir die Partnerschaft mit der Port of Rotterdam Authority so wichtig. Wenn die HGK-Gruppe dazu beitragen kann, dass der Rotterdamer Hafen bis 2050 CO₂-neutral wird, ist das ein Gewinn für die gesamte Branche und für zukünftige Generationen.“