Harmonisierte Normen sind der Schlüssel zur Erschließung von Investitionen in den Ausbau von OCCS zur Dekarbonisierung der Schifffahrt

25 Februar 2026
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Lesedauer: 3 Minuten

Ein klarer und unterstützender Rechtsrahmen ist entscheidend, um die bordeigene CO2-Abscheidung und -Speicherung (Onboard Carbon Capture and Storage (OCCS)) zu ermöglichen und rechtzeitige Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Schiffen bis zur LCO₂-Entladung, zu mobilisieren, so ein von fünf führenden Reedereien in Auftrag gegebener DNV-Bericht. Die beteiligten Reedereien – CMA CGM, Evergreen, Hapag-Lloyd, Maersk und MSC – sehen in OCCS neben der Verwendung kohlenstoffarmer und kohlenstofffreier Kraftstoffe eine vielversprechende Lösung zur Dekarbonisierung.

Zeeschip met cotainers

Obwohl die IMO die Verabschiedung des NZF verschoben hat, bleibt dringender Handlungsbedarf bei der Entwicklung von Dekarbonisierungslösungen. Der von DNV erstellte Bericht soll Einblicke geben, wie die CO₂-Abscheidung an Bord von Schiffen zur Reduzierung von Emissionen beitragen kann. Dabei werden auch Überlegungen für Reeder, das Potenzial der Technologie und die Notwendigkeit eines klaren Rechtsrahmens beleuchtet.

Der Bericht wurde von den fünf Reedereien initiiert, nachdem die Port of Rotterdam Authority im vergangenen Jahr mehr als 25 Parteien zusammengebracht hatte, um die Entwicklung der CO₂-Abscheidungs- und -Speicherungskette durch die Einrichtung der OCCS-Kette zu unterstützen.

Drei Schwerpunktbereiche des Berichts:
Physische Wertschöpfungskette: Entwicklung einer Flüssig-CO₂-Kette (LCO₂), bei der CO₂ an Bord aufgefangen, verflüssigt und in Häfen auf LCO₂-Empfangsschiffe umgeladen wird. Diese Schiffe liefern CO₂ an (Zwischen-)Speicher in Rotterdam und Singapur, von wo aus es anschließend zu den endgültigen Ablagerungsstätten transportiert wird.

CO₂-Reduzierung und nachgelagerte wirtschaftliche Chancen: Eine Analyse unter Verwendung des Treibhausgaspfadmodells von DNV soll Einblicke in die Reduktions- und Umschlagkapazitäten auf Basis der Flotte gewinnen, die dies hinter dem Hafen bedient. Der Bericht hebt das CO2-Minderungspotenzial und die wirtschaftlichen Chancen für die nachgelagerte OCCS-Wertschöpfungskette hervor.

Normierungsrahmen: Investitionen in Auffanganlagen, Transportkapazitäten und permanente Speichereinrichtungen sind nur dann rentabel, wenn entsprechende Normen rechtzeitig eingeführt werden.

Pilot auf der Handelsroute Asien-Nordeuropa

Als nächsten Schritt schlagen die fünf Reedereien vor, die Handelsroute Asien-Nordeuropa als Testumgebung für einen OCCS-Korridor zu nutzen. Diese stark frequentierte Schifffahrtsroute eignet sich aufgrund ihrer hohen Emissionen, der vorhersehbaren Fahrpläne und der CO₂-Speicherprojekte in Rotterdam und im Raum Singapur für den großflächigen Einsatz von OCCS.

Pilotprojekte beweisen, dass die Technologie technisch machbar, skalierbar und sicher ist. Damit OCCS in großem Maßstab funktioniert, muss die Kette mit Schiffen, die flüssiges CO₂ transportieren können, sowie mit Lagerungs- und Umschlagterminals und -lagern entwickelt werden. Der Bericht hebt hervor, dass die Normierung das größte Hindernis darstellt: Die IMO-Leitlinien für OCCS befinden sich in der Entwicklung, die EU-Vorschriften bieten noch keinen vollständigen Rahmen, und es bedarf rechtlicher Klarheit hinsichtlich des grenzüberschreitenden CO₂-Transports und des Status von CO₂ (Abfall oder Rohstoff).

Erstes Pilotprojekt in Rotterdam erfolgreich abgeschlossen

Die erste CO₂-Abscheidung von einem Schiff erfolgte letztes Jahr in Rotterdam. Das Containerschiff Ever Top der Reederei Evergreen brachte einen Tankcontainer mit 20 Tonnen flüssigem CO₂ an Land, nachdem es zuvor die gleiche Menge in Shanghai entladen hatte. Die Ever Top (14.000 TEU) ist das erste mittelgroße Containerschiff mit einer CO₂-Abscheidungsanlage (SMDERI). Die Anlage fängt CO₂ auf, reinigt es und wandelt es in eine flüssige Form um, um es an Bord zu lagern. Im Rahmen eines separaten Projekts bestätigte DNV[TL1] [CB2] , dass die Qualität für die (Wieder-)Verwendung im Gewächshausgartenbau geeignet sei.

Zur Unterstützung der Realisierung von OCCS entwickelt die Port of Rotterdam Authority Ketten für die Speicherung und Wiederverwendung von CO₂ innerhalb des Hafenindustriekomplexes. Unternehmen wie Value Maritime, Wärtsila und SMDERI rüsten Schiffe bereits mit Abscheidesystemen aus.

Den vollständigen DNV-Bericht, der von den fünf Reedern in Auftrag gegeben wurde, finden Sie hier.