Erkenntnisse gewinnen und Hindernisse für Investitionen in nachhaltige Schiffskraftstoffe überwinden
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Der grüne und digitale Schifffahrtskorridor Rotterdam–Singapur
Der Rotterdam-Singapore Green & Digital Shipping Corridor (GDSC) hat einen neuen Bericht veröffentlicht, in dem die wichtigsten Hindernisse und konkreten Lösungen aufgezeigt werden, die zur Beschleunigung von Investitionen in die Produktion von nachhaltigen Schiffskraftstoffen erforderlich sind.
Der jährliche Kraftstoffverbrauch durch die Seeschifffahrt beträgt rund 300 Millionen Tonnen und macht etwa 3 % der globalen CO₂-Emissionen aus. Während der Sektor mit wachsendem Druck über die Dekarbonisierung konfrontiert ist, bleiben die Investitionen in die Produktion nachhaltiger Schiffskraftstoffe weit hinter dem Bedarf zurück. In einer neuen Veröffentlichung des Rotterdam-Singapore Green & Digital Shipping Corridor (GDSC) wird aufgezeigt, was sich ändern muss, um die Stagnation zu überwinden, und weshalb.
Der Bericht zeigt das fortwährende „Henne-und-Ei“-Problem auf, das im Mittelpunkt der Umstellung auf nachhaltige Kraftstoffe in der Seeschifffahrt steht. Infolge von begrenzten Produktionskapazitäten bleiben die Preise für nachhaltige Kraftstoffe auf einem hohen Niveau, und ihre Entwicklung ist unsicher, wodurch die Nachfrage gedämpft wird und letztlich keine endgültigen Investitionsentscheidungen für Projekte getroffen werden. Gleichzeitig wird das Vertrauen der Investoren durch die Unsicherheit bezüglich des regulatorischen Umfelds auf internationaler Ebene, insbesondere in Bezug auf die Rahmenbedingungen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO), weiterhin untergraben
Ungelöste Risiken vor der Investitionsentscheidung
In der Veröffentlichung Understanding & addressing barriers hindering timely investment in sustainable fuel production for marine shipping („Verständnis der Faktoren, die zeitgerechte Investitionen in die Produktion nachhaltiger Kraftstoffe für die Seeschifffahrt verhindern, und deren Beseitigung“) wird die gesamte Wertschöpfungskette nachhaltiger Schiffskraftstoffe anhand einer Fallstudie über ein Projekt zur Herstellung von grünem Ammoniak in Ägypten und dessen Lieferung zum Bunkern nach Rotterdam analysiert. Den Ergebnissen zufolge entstehen 80-85 % der gesamten Kraftstoffkosten in der Produktion, während Transport, Lagerung und Bunkern eine wesentlich geringere Rolle spielen.
Für die Entwicklung einer Produktionsanlage sind 0,5 bis 1 Mrd. EUR an Vorlaufkapital erforderlich, mit einer Bauzeit bis zur Inbetriebnahme und Lieferung von 10 bis 15 Jahren, sodass die Projekte in hohem Maße von einem stabilen und förderlichen regulatorischen Umfeld, der entsprechenden Infrastruktur und der langfristigen Nachfrage abhängen. Da die Kapitalkosten 30-50 % der gesamten Projektkosten ausmachen, schlagen sich ungelöste Risiken vor der endgültigen Investitionsentscheidung direkt in höheren Kraftstoffpreisen oder einem Investitionsstopp nieder. In einem Markt, in dem Dual-Fuel-Schiffe auch nach wie vor mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden können, können sich die Kraftstofflieferanten nicht auf vorhersehbare Abnahmemengen verlassen, wodurch die Finanzierungsfähigkeit weiter erschwert wird.
Aufruf zum strukturierten Dialog und zu koordinierten Maßnahmen
Die Botschaft der Veröffentlichung ist klar: Ohne einen koordinierten Dialog und entschiedene Maßnahmen durch politische Entscheidungsträger, Financiers und Kraftstofflieferanten werden Investitionen – und damit auch die Produktion von nachhaltigem Kraftstoff – nicht zustande kommen.
- Die politischen Entscheidungsträger müssen auf globaler, regionaler und nationaler Ebene einen klaren, abgestimmten und langfristigen Rechtsrahmen schaffen.
- Die Financiers benötigen Transparenz in Bezug auf die Risikoallokation und Zugang zu wirksamen öffentlichen Instrumenten zur Risikominderung.
- Kraftstoffproduzenten und -abnehmer benötigen glaubwürdige Nachfragesignale und langfristige Vertragsmechanismen.
Kein einzelner Akteur vermag diese Herausforderungen allein zu bewältigen. Daher ist ein koordiniertes Vorgehen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg unerlässlich, um die zeitliche Planung zu koordinieren, Unwägbarkeiten zu verringern und Kapital freizusetzen.
Der GDSC als Antriebskraft
Mit dieser Veröffentlichung positioniert sich der Rotterdam-Singapore Green & Digital Shipping Corridor (GDSC) als Testumgebung für die Zusammenarbeit, durch die der Dialog mit den Regulierungsbehörden, Lösungen zur Risikostreuung und die Bündelung der Nachfrage unterstützt werden. Der GDSC ruft die Interessenvertreter jetzt zum Engagement auf, um die politischen Ziele in Projekte, die für Investitionen geeignet sind, umzusetzen und den kommerziellen Einsatz nachhaltiger Schiffskraftstoffe zu beschleunigen.