Nautisches Jahr in Zahlen: 2025 Hafenmeister setzt auf Widerstandsfähigkeit und Geschwindigkeitsbegrenzungen rund um die Erasmusbrücke
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Aufgrund der geopolitischen Spannungen lag der Fokus der Abteilung Hafenmeister Rotterdam im Jahr 2025 vor allem auf der Stärkung der Widerstandsfähigkeit. Das Jahr 2025 stand auch im Zeichen der Vorbereitungen für Geschwindigkeitsbegrenzungen rund um die Erasmusbrücke. Die Zahl der Kollisionen im Jahr 2025 war deutlich niedriger als im Jahr zuvor.
Im Jahr 2025 ist die Zahl der besuchenden Seeschiffe im Rotterdamer Hafen leicht zurückgegangen, von 27.617 auf 27.384. Die Zahl der besuchenden Binnenschiffe hingegen stieg an – von 91.356 auf 93.680.
Nautische Sicherheit
Im Hinblick auf die nautische Sicherheit war 2025 ein gutes Jahr. Die Zahl der Kollisionen im Rotterdamer Hafen sank um 28 Prozent von 148 auf 106. Der nautische Sicherheitsindex (NSI), der den Sicherheitsgrad angibt – stieg unter anderem darum von 6,1 auf 7,8. Je weniger Vorfälle, desto höher der NSI.
„Aber es ist nicht angebracht, die stark erhöhte Sicherheit auf dem Wasser zu bejubeln“, so der (Landes-)Hafenmeister René de Vries. „2025 war auch ein Jahr, in dem drei Menschen bei nicht-nautischen Arbeitsunfällen im Hafengebiet starben und zwei schwer verletzt wurden. Diese Vorfälle fallen zwar nicht in den Zuständigkeitsbereich der Abteilung Hafenmeister, hatten aber natürlich große Auswirkungen.“
Neue Geschwindigkeitsbegrenzungen im Bereich der Erasmusbrücke ab 1. April 2026
Ab dem 1. April 2026 gelten für alle Schiffe im Bereich der Erasmusbrücke in Rotterdam neue Geschwindigkeitsbegrenzungen. In den Zufahrtsbereichen zu diesem Bereich, etwa von der Willemsbrug bis zum Maastunnel, darf bald nur noch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gefahren werden. In der Erasmusbrückenzone, vom Wasserbus-Anleger bis zum Radarturm an den Boompjes (Uferstraße), gilt künftig eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Das Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft wird diese Maßnahme gesetzlich verankern. Hafenmeister René de Vries wird einen Verkehrsbeschluss erlassen, um für den gesamten Schiffsverkehr in den Zonen die gleiche Höchstgeschwindigkeit festzulegen.
Die Maßnahme folgt den Empfehlungen der niederländischen Sicherheitsbehörde und einer nautischen Risikobewertung nach den Vorfällen der letzten Jahre. Ziel ist es, eines der komplexeren Gebiete auf der Nieuwe Maas sicherer zu machen. In diesem Gebiet fahren Freizeit-, Fahrgast- und Handelsschiffe, oft mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Fahrweisen. Eine Verringerung der Geschwindigkeitsunterschiede verschafft den Schiffsführern mehr Überblick und Zeit zum Reagieren.
Neben der Geschwindigkeitsbegrenzung gibt es noch weitere Regeln. In der Erasmusbrückenzone beispielsweise muss man sich auf der Steuerbordseite des Fahrwassers halten, und es gilt ein Wendeverbot. Die neuen Vorschriften werden voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 in Kraft treten.
Durchsetzung der neuen Regeln auf der Nieuwe Maas
Die Durchsetzung dieser neuen Geschwindigkeitsbegrenzungen wird in den Händen des Hafenmeisters und der Seehafenpolizei liegen. Die Port of Rotterdam Authority bringt Schilder an, um die neue Zone und die Zufahrtsbereiche deutlich auszuschildern. Sonderermittler der Abteilung Hafenmeister werden (Laser-)Geräte einsetzen, um die Geschwindigkeit zu überprüfen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung bezieht sich auf die Fließgeschwindigkeit der Neuen Maas. Bei der Durchsetzung wird diese berücksichtigt.
Tracking-Tool
Die Port of Rotterdam Authority arbeitet außerdem an einem Tracking-Tool für den Bereich um die Erasmusbrücke. Dieses ermöglicht die visuelle Darstellung von Schiffsgeschwindigkeiten und Fahrmustern. So lässt sich leichter erkennen, ob die Schiffe die Steuerbordfahrtverpflichtung und die Höchstgeschwindigkeit einhalten.
Pre U-Space für Drohnen
Die Vorfälle mit Drohnen über niederländischer und europäischer kritischer Infrastruktur im Jahr 2025 verdeutlichen die Notwendigkeit einer sicheren Gestaltung des unteren Luftraums. Im Jahr 2026 wird die Port of Rotterdam Authority unter der Leitung des Hafenmeisters daher mit der Einführung von Pre U-Space einen wichtigen Schritt machen: die erste Phase auf dem Weg zu einem vollständig regulierten (unteren) Luftraum.
In dieser Phase geht es um die Anmeldung, die Genehmigungspolitik und die Genehmigung von Drohnenflügen, damit die Behörden besser gegen nicht angemeldete Drohnen vorgehen können. Außerdem werden statische Zonen für unbemannte Luftfahrzeuge eingerichtet, mit Festlegung spezifischer Regeln zum Schutz wichtiger Gebiete.
„Wir dürfen nicht naiv sein“, sagt René de Vries. „Vorfälle mit Untersee-Infrastrukturen in der Ostsee und unerwünschte Drohnenflüge über lebenswichtiger Infrastruktur in Europa machen deutlich, dass sowohl die physische Sicherheit als auch die Cybersicherheit für den Rotterdamer Hafen entscheidend sind. Angesichts der großen geopolitischen Veränderungen müssen wir nachhaltig in die Widerstandsfähigkeit investieren. Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.“
Unterscheiden zwischen Freund und Feind
Mit der Zunahme des kommerziellen und behördlichen Drohnenverkehrs steigt auch der Bedarf an Übersicht und Widerstandsfähigkeit. Daher investiert die Port of Rotterdam Authority neben der Regulierung auch in die Erkennung von Drohnen: Systeme zur Unterscheidung von Freund und Feind. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit anderen zuständigen Behörden.
Das ultimative Ziel ist ein vollständig digitales Luftverkehrssystem für Drohnen und andere unbemannte Flüge. Dies ist sowohl für die Sicherheit als auch für innovative, kommerzielle Drohnendienste wichtig.
Neue Abteilung: Port Security & Resilience
Ging es vor fünf Jahren vor allem um Unterwanderung und Drogenkriminalität, so erfordern nun auch hybride Bedrohungen wie Spionage und Sabotage einen breiten Ansatz, der alle Gefahren einbezieht. Die Abteilung Hafenmeister hat mit der Abteilung für Hafensicherheit & Resilienz „Port Security & Resilience“, die 2025 gegründet wurde, ebenfalls in die Widerstandsfähigkeit investiert.
Zu den Aufgaben der Abteilung gehören die Entwicklung von Strategien, Risikomanagement, Planung und Maßnahmen zum Schutz der Schifffahrt und des Hafengebiets sowie der Port of Rotterdam Authority selbst.
Mass Flow Meter
Im Jahr 2025 wurden auch die letzten Vorbereitungen für die Einführung der Vorschrift getroffen, dass Bunkerschiffe im Rahmen der geltenden Bunkerlizenz über ein Mass Flow Meter (MFM) verfügen müssen. Seit dem 1. Januar 2026 ist die Verwendung eines solchen MFM an Bord von Bunkerschiffen für die Lieferung von Schweröl (Heizöl), Diesel und Biokraftstoffen in den Häfen von Rotterdam und Antwerpen-Brügge obligatorisch. Das MFM-System misst genau, wie viel Kraftstoff vom Bunkerschiff zum Seeschiff gelangt.
Damit soll der Bunkermarkt in beiden Häfen zuverlässiger, effizienter und transparenter werden. Studien, unter anderem von CE Delft, haben bestätigt, dass es strukturelle Mengenprobleme auf dem Bunkermarkt gibt. Der Einsatz eines zertifizierten MFM ist obligatorisch. Eine Kopie des Zertifikats muss dem Hafenmeister vorgelegt werden. Zuwiderhandlungen können mit Geldstrafen oder dem Entzug der Bunkerlizenz geahndet werden.
Landstrompflicht für öffentliche Binnenschifffahrtsliegeplätze bis 2027
Darüber hinaus arbeitet der Hafenmeister von Rotterdam an einer Landstromverpflichtung für die öffentlichen Liegeplätze für die Binnenschifffahrt der Port of Rotterdam Authority im städtischen Hafengebiet. Im Jahr 2010 wurde im Rotterdamer Hafen ein Generatorverbot als lokale Lösung zur Verringerung der Emissionen eingeführt, da es keine landesweite Regelung gab. Seit Januar 2025 bietet die Binnenschifffahrtspolizeiverordnung (BPR) die Möglichkeit, eine Landstrompflicht einzuführen.
Um Einheitlichkeit in der Regulierung zu leisten, bereitet der Hafenmeister von Rotterdam eine Pflicht zur Nutzung von Landstrom an den öffentlichen Liegeplätzen für die Binnenschifffahrt der Port of Rotterdam Authority im städtischen Hafengebiet vor. Die Landstromverpflichtung soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Das genaue Datum des Inkrafttretens hängt vom Austausch der derzeitigen Landstromschränke ab.