„Wir möchten Teil eines nachhaltigen Wandels sein“
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Für Arno Storm ist Nachhaltigkeit kein abstrakter Begriff oder Modewort, sondern eine persönliche Überzeugung. Der CEO von Rotterdam Shortsea Terminals (RST) prüft ständig, was er im Rahmen seiner Möglichkeiten tun kann, um zu einer besseren Welt beizutragen.
Storm glaubt nicht daran, die Energiewende allein deshalb zu befürworten, weil sie gesetzlich vorgeschrieben ist. Seiner Meinung nach beginnt Nachhaltigkeit mit dem Willen, eine Vorreiterrolle zu übernehmen und mit gutem Beispiel voranzugehen. „Als (Bonus-)Vater von acht Kindern möchte ich den nächsten Generationen eine lebenswerte Zukunft hinterlassen. Dafür fühle ich mich persönlich verantwortlich. Wo immer möglich, versuche ich, positive Veränderungen anzustoßen.“
Ausgehend von dieser Haltung fördert er seit seinem Amtsantritt als CEO im August 2021 aktiv die soziale Verantwortung von Unternehmen (CSR) bei RST. Diese ist inzwischen fest in der Betriebsführung verankert. Die Ergebnisse sind greifbar. Neben der Realisierung einer Landstromanlage in Zusammenarbeit mit dem Kunden Samskip wurde in Solarmodule und die Umstellung auf fossilenfreien Kraftstoff (HVO 100) investiert. Das Terminal ist vollständig vom Gas unabhängig und wird ausschließlich mit zertifiziertem Ökostrom betrieben, der direkt von einem niederländischen Solarpark bezogen wird.
Vom Ziel zur Wirkung
RST ist mit einer Umschlagkapazität von rund 800.000 Containern pro Jahr der größte Knotenpunkt für die Shortsea-Schifffahrt in Europa. Während die CO₂-Emissionen pro Container im Jahr 2020 noch bei 21,5 Kilogramm lagen, konnten sie inzwischen auf nur noch 600 Gramm gesenkt werden. „Wir sind stolz auf das, was wir in relativ kurzer Zeit erreicht haben“, sagt Storm. „Das Thema hat innerhalb der Organisation große Bedeutung; jeder macht sich Gedanken darüber, wie wir die Welt ein Stückchen besser machen können.“ Neue Projekte sind bereits in Planung: Ausbau der Landstromversorgung, weitere Elektrifizierung des Fuhrparks, eine Ladeanlage für Elektro-Lkw und ein Wasserstoff-Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit Partnern. „Uns geht es nicht immer in erster Linie um den Business Case, sondern darum, den Wandel zu erkunden. Wir möchten Teil der Lösung sein. Unser Standort, an dem verschiedene Transportmodalitäten zusammenlaufen, bietet die Möglichkeit, unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit etwas zu entwickeln, das für alle einen Mehrwert schafft.“
Als (Bonus-)Vater von acht Kindern möchte ich den nächsten Generationen eine lebenswerte Zukunft hinterlassen. Dafür fühle ich mich persönlich verantwortlich. Wo immer möglich, versuche ich, positive Veränderungen anzustoßen.
Wert schaffen
In Gesprächen mit dem Private-Equity-Gesellschafter stehen zunächst die harten Zahlen und die Kapitalrendite im Vordergrund. Die Geschäftsführung von RST betont jedoch stets auch die Bedeutung der „weichen Faktoren“ des Unternehmertums. „Nachhaltigkeit ist für unsere Wettbewerbsfähigkeit von entscheidender Bedeutung“, erklärt Storm. „Multimodaler Transport und Shortsea-Transport sind wesentlich nachhaltiger. Immer mehr Verlader legen Wert darauf, dass ihre Güter auf umweltfreundliche Weise transportiert werden. Nachhaltigkeit schafft Mehrwert und schlägt sich langfristig auch in konkreten Geschäftsergebnissen nieder: Wir beobachten, dass sich Kunden immer häufiger bewusst für Lieferketten mit einem geringeren CO₂-Fußabdruck entscheiden, was zu einer stärkeren Kundenbindung, neuen Handelsvolumen und einem strukturellen Wettbewerbsvorteil führt. Darüber hinaus eröffnet dies neue Möglichkeiten für Kooperationen und Finanzierungen und beugt künftigen Kosten aufgrund strengerer Vorschriften und CO₂-Bepreisung vor.“
Der Mensch als Dreh- und Angelpunkt
Dennoch geht es bei Storm bei nachhaltigem Wirtschaften nicht nur um die Reduzierung von CO₂. Mindestens genauso wichtig ist das Vertrauen in die Menschen. „Man kann noch so schöne Prozesse und Systeme haben, aber letztendlich ist und bleibt der Mensch der Dreh- und Angelpunkt unseres Handelns. Es liegt mir sehr am Herzen, dass unsere Mitarbeitenden aus eigener Kraft und Verantwortung handeln können. Ich finde es nämlich selbst auch nicht angenehm, wenn mir ständig jemand über die Schulter schaut. Unsere Personalabteilung heißt „Menschen und Kultur“ – „Human Resources“ klingt zu unpersönlich, als ginge es um Mittel statt um Menschen. Wir investieren viel in die Ausbildung unserer Mitarbeitenden, damit sie zur Verbesserung unseres Unternehmens beitragen können, aber auch, um sich selbst weiterzuentwickeln.“
Die Zukunft gestalten
Derzeit arbeitet RST an einem groß angelegten Modernisierungsprojekt. Als Reaktion auf die Skalierung in der Schifffahrt wird der Terminal bis 2028 effizienter gestaltet. So werden unter anderem zwei neue Ship-to-Shore-Kräne aufgestellt, einige veraltete Kräne ausgemustert und die IT-Infrastruktur zukunftssicher gemacht. Die Kapazität steigt auf 830.000 Container pro Jahr. Die Operation findet in einer Zeit geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit statt. „Wir stellen fest, dass sich der Handel verlangsamt und die Unternehmen abwartend sind“, so Storm. „Die größte Herausforderung ist die Unvorhersehbarkeit auf internationaler Ebene. Als Unternehmen möchte man wissen, in welche Richtung sich der Markt langfristig entwickelt, doch dieser Überblick fehlt derzeit. Es ist wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren, die Dinge im richtigen Verhältnis zu sehen und nach vorne zu blicken.“
In die nächste Generation investieren
Diese Zukunftsorientierung zeigt sich auch in seinem gesellschaftlichen Engagement. RST ist seit Jahren mit der Giovanni van Bronckhorst Foundation verbunden. Die Stiftung hilft jungen Menschen in Rotterdam, die etwas Unterstützung gebrauchen können, „Kapitän“ ihrer eigenen Zukunft zu werden. In Kürze wird Storm eine Gruppe Jugendlicher durch das Terminal führen. Er freut sich schon darauf. „Ich möchte zeigen, was hier möglich ist.“ Für Storm ist genau das vielleicht der Kern der Nachhaltigkeit: nicht nur für eine sauberere Welt zu sorgen, sondern auch für Chancen und Perspektiven. „Im Hafen kann man sinnvolle Arbeit verrichten und gut verdienen. Wer möchte, kann sich hier wirklich eine schöne Zukunft aufbauen.“