Umschlag im Rotterdamer Hafen leicht rückläufig

26 Februar 2026
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Lesedauer: 10 Minuten

Der Umschlag im Rotterdamer Hafen ist im Jahr 2025 um 1,7% zurückgegangen. Der Gesamtumschlag belief sich damit auf 428,4 Mio. Tonnen. Der stärkste Rückgang wurde mit 6,5% im Bereich des trockenen Massenguts verzeichnet. Im Bereich des flüssigen Massenguts war der Rückgang mit 1,5% geringer. Der Containerumschlag erreichte dagegen 14,2 Millionen TEU, was einer Zunahme um 3,1% entspricht. Gemessen an der Tonnage verringerte sich der Containerumschlag um 0,2%.

In der zweiten Jahreshälfte gab es in allen Segmenten Anzeichen für eine Erholung. Die Besorgnis über die zurückhaltenden Investitionen der Industrie ist nach wie vor groß. Im vergangenen Jahr haben mehrere Chemieunternehmen angekündigt, dass sie ihre Werke in Rotterdam schließen werden. Auch Investitionen in neue und laufende Projekte – vorwiegend in erneuerbare Kraftstoffe – wurden eingestellt. Die von der Regierung bis 2025 ergriffenen Maßnahmen sind zwar positiv, reichen aber nicht aus, um die niederländischen Wettbewerbsbedingungen an die europäischen anzupassen. Darüber hinaus bleibt die Konkurrenz aus Ländern wie China spürbar. Die Finanzergebnisse der Port of Rotterdam Authority blieben stabil. Die Investitionen der Port of Rotterdam Authority beliefen sich auf 291,4 Millionen Euro.

Boudewijn Siemons, CEO der Port of Rotterdam Authority: „Wir blicken auf ein herausforderndes Jahr zurück, in dem die Chemie- und Logistikunternehmen in unserem Hafen unter großem Druck standen und die europäische Industrie unter dem zunehmenden globalen Wettbewerb zu leiden hatte. All dies geschah vor dem Hintergrund der weiter zunehmenden geopolitischen Spannungen. Gerade unter diesen Umständen bleibt ein gut funktionierender Hafen für den Wohlstand, die wirtschaftliche Entwicklung und die strategische Rolle der Niederlande und Europas von wesentlicher Bedeutung. Dabei sind eine kontinuierliche Ausrichtung auf Resilienz, Flexibilität und eine intensive Zusammenarbeit auf nationaler sowie europäischer Ebene entscheidend – sowohl für die Lieferkette als auch für die Industrie.“

Hafen und Industrie nachhaltiger gestalten

Obwohl die Port of Rotterdam Authority bis 2030 eine CO₂-Reduktion von 55% anstrebt, wird es – genau wie bei den nationalen Zielen – immer unwahrscheinlicher, dass dieses Ziel im Hafen- und Industriekomplex erreicht werden kann. Die Port of Rotterdam Authority arbeitet daher weiterhin zusammen mit den Unternehmen an einer schnellen Verringerung der Emissionen , und unternimmt alle Anstrengungen, um diese Entwicklung zu fördern und zu unterstützen. Im Jahr 2025 wurde eine Vielzahl von Nachhaltigkeitsprojekten gestartet und fortgeführt. Das Unternehmen Air Liquide begann mit dem Bau einer großen Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff. Das Wasserstoffkraftwerk wird eine Kapazität von 200 MW haben und soll Ende 2027 in Betrieb genommen werden. Das Werk von Air Liquide wird der zweite Elektrolyseur auf der Maasvlakte sein. Der Elektrolyseur von Shell, Holland Hydrogen I, soll bis Ende 2026 in den Betrieb gehen. Der Bau des CCS-Projektes Porthos befindet sich inzwischen in der letzten Phase. Die Installation der rund 20 Kilometer langen Offshore-Pipeline ist abgeschlossen. Porthos wird voraussichtlich Ende 2026 in Betrieb gehen. Auch der Aufbau des Wasserstoffnetzes schreitet stetig voran. Das letzte Teilstück der 32 Kilometer langen Wasserstoffpipeline ist zusammengeschweißt worden. Die letzte Phase besteht aus den Vorbereitungen für die Inbetriebnahme. Das Netz wird schließlich die wichtigen Industrieregionen in den Niederlanden, Deutschland und Belgien miteinander verbinden.

Stadt und Hafen

Ende 2025 veröffentlichten die Stadt Rotterdam und die Port of Rotterdam Authority die Hafenperspektive 2050. Die in Zusammenarbeit mit dem Staat, dem Unternehmerverband Deltalinqs und der Provinz Süd-Holland erarbeitete Perspektive ziel auf einen Hafen, der bis 2050 der wettbewerbsfähigste, nachhaltigste und widerstandsfähigste in Europa sein wird. Ein Hafen, der sicher, innovativ und von großem Wert für die Wirtschaft, die strategische Autonomie und das Lebensumfeld ist. Um dies zu erreichen, werden intensive öffentlich-private Partnerschaften und ein gutes Investitionsklima in den kommenden Jahren entscheidend sein.

Seit 2021 stellt die Port of Rotterdam Authority jährlich 1 Million Euro für Projekte zur Verfügung, die zur Verbesserung der Qualität des Lebensumfelds in der unmittelbaren Umgebung des Hafengebiets beitragen. Aufgrund der großen Wertschätzung wurde dieser Hafenumweltfonds bis 2030 verlängert und der jährliche Beitrag auf 1,5 Millionen Euro erhöht.

Die Nutzung der Landstromversorgung hat ebenfalls positive Auswirkungen auf die Lebensqualität, die Natur und die Umwelt. Die Stadt Rotterdam und die Port of Rotterdam Authority haben 2025 eine neue Strategie für den Ausbau der Landstromversorgung im Hafen bis zum Jahr 2035 erarbeitet.

Um der breiten Öffentlichkeit den Hafen auf interaktive Weise näher zu bringen, hat die Port of Rotterdam Authority in das Hafenerlebniszentrum Portlantis investiert. Portlantis wurde im März 2025 eröffnet und hat seither zahlreiche Besucher empfangen, darunter mehr als 13.000 Schulkinder, von denen die meisten aus der Region Rotterdam kamen. Durch eine Zusammenarbeit mit dem Jugendbildungsfonds will die Port of Rotterdam Authority die Perspektiven von Kindern aus Rotterdam-Zuid, die in Armut aufwachsen, verbessern. Bis 2025 konnte die Port of Rotterdam Authority 15.000 Kindern helfen, indem sie Grundschüler beispielsweise mit Unterrichtsmaterial, kulturellen und sportlichen Aktivitäten, Laptops und Fahrrädern unterstützte.

Sicherheit und Resilienz

Der Rotterdamer Hafen spielt eine wichtige Rolle als logistische Drehscheibe Europas. Aufgrund der sich verändernden Sicherheitslage in der Welt könnte die Verteidigungslogistik im Hafen stärker in den Fokus rücken. So wurde für den Rotterdamer Hafen ein 15 Hektar großes Gelände an der Maasvlakte für ein Terminal im Rahmen des Nationalen Programms „Raum für Verteidigung“ (Nationaal Programma Ruimte voor Defensie) reserviert. Außerdem können an den Stränden der Maasvlakte amphibische Übungen durchgeführt werden.

In Zeiten wachsender geopolitischer Spannungen werden Cyberangriffe und Drohnen zunehmend für Sabotage, Spionage oder Schmuggel eingesetzt. Die digitale Bedrohung hält unvermindert an, und die Port of Rotterdam Authority arbeitet daher strukturell mit anderen niederländischen Seehäfen von nationaler Bedeutung zusammen, um die Widerstandsfähigkeit der entscheidenden digitalen Prozesse zu stärken. Berichte über nicht autorisierte Drohnen über kritischen Infrastrukturen in Europa und den Niederlanden führen ebenfalls zu erhöhter Wachsamkeit im Hafen-Industriekomplex. Die sorgfältige Planung des niedrigen Luftraums spielt dabei eine bedeutende Rolle. Bis 2025 wurden wichtige Schritte in diese Richtung unternommen. Im Jahr 2026 wird die erste Phase der Entwicklung hin zu einem vollständigen U-Space-Luftraum beginnen, in dem Drohnenflüge nur nach klaren Regeln und mit digitaler Unterstützung erlaubt sein werden. Neben dieser Regelung investiert die Port of Rotterdam Authority in Technologie, um nicht autorisierte Drohnen frühzeitig aufzuspüren.

Investitionen und Finanzen 

Die Port of Rotterdam Authority hat in finanzieller Hinsicht ein solides Jahr hinter sich. Die Einnahmen der Port of Rotterdam Authority sind um 6,6% auf 940,4 Millionen Euro gestiegen. Bei den Auftragserlösen (+4,5%) ist dies hauptsächlich auf die Indexierung und einen Saldo aus mehreren neuen und auslaufenden Verträgen zurückzuführen. Die Erlöse aus Hafengebühren stiegen 2025 um 7,9%. Dies ist vor allem durch die Indexierung und eine geänderte Tarifstruktur und Rabatte begründet.

Die betrieblichen Aufwendungen stiegen um 38,3 Millionen Euro. Dies liegt hauptsächlich an einem Anstieg der Personalkosten um 13,6 Millionen Euro sowie an Betriebskosten in Höhe von 15,6 Millionen Euro. Die Personalkosten sind aufgrund der jüngsten Tarifvertragsänderungen gestiegen. Die Betriebskosten stiegen teilweise aufgrund der Änderung der IT-Aktivierungspolitik im Jahr 2025. Dies führte zu höheren Betriebskosten und einem Rückgang der Investitionen. Des Weiteren sind die Preise vieler Verträge mit Lieferanten aufgrund der Indexierung gestiegen.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 3,6% auf 583,6 Millionen Euro. Dieser Betrag ist Gradmesser für die Fähigkeit der Port of Rotterdam Authority, über ihre eigene Bilanz weiter in die Entwicklung des Hafenindustriekomplexes zu investieren.

Der Nettogewinn sank um 7,8 Millionen auf 266,0 Millionen Euro, aufgrund höherer Abschreibungen und einer einmaligen Wertminderung von 13 Millionen Euro, die kundenbezogene Anlagen betrifft.

Im Jahr 2025 investierte die Port of Rotterdam Authority insgesamt 291,4 Millionen Euro. Dies waren 9% weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dies ist teilweise auf eine Anpassung in der Verbuchung von Automatisierungskosten sowie auf den einmaligen Erwerb von Stickstoffrechten im Jahr 2024 zurückzuführen.

Aufgrund neuer Dividendenvereinbarungen zwischen der Port of Rotterdam Authority und ihren Anteilseignern beläuft sich die Dividendenzahlung im Jahr 2025 auf 186,2 Millionen Euro. Diese Ausschüttung entspricht 70% des Nettoertrags. Die Port of Rotterdam Authority und die Anteilseigner haben vereinbart, dass die Dividendenfähigkeit von den geplanten Investitionen und der Finanzlage des Hafenunternehmens abhängt.

Umschlag

Trockenes Massengut

Der Umschlag von trockenem Massengut sank im Jahr 2025 um 6,5%. Der Umschlag von Eisenerz und Schrott ging um 11,5% zurück. Insbesondere die Eisenerzmengen gingen stark zurück, da die Wettbewerbsposition der europäischen Stahlindustrie durch hohe Energie- und CO₂-Preise sowie Billigimporte weiterhin unter Druck steht. Der Umschlag von Kohle sank um 8,7% auf 17,3 Millionen Tonnen. Dieser Rückgang ist ebenfall auf einen starken Rückgang der Nachfrage nach Kokskohle aufgrund der reduzierten europäischen Stahlproduktion zurückzuführen. Der Energiekohledurchsatz stieg in der ersten Jahreshälfte dagegen aufgrund des geringen Windaufkommens und der hohen Stromnachfrage. Kohlekraftwerke in den Niederlanden und in Deutschland liefen daraufhin mehr Strom. Aufgrund höherer Einnahmen aus Erneuerbaren Energien und sinkender Gaspreise wurde in der zweiten Jahreshälfte dann weniger Kohle zur Stromerzeugung eingesetzt. Der Umschlag von Agribulk stieg um 6,3%. Vor allem im ersten Halbjahr 2025 waren die Volumina umfangreich. Dieser Anstieg ist auf die Inbetriebnahme eines neuen Terminals für trockenes Massengut in Rotterdam zurückzuführen. Der Umschlag von trockenem Massengut insgesamt stieg um 1,6% auf 12 Millionen Tonnen. Vor allem in der ersten Jahreshälfte stand die Industrieproduktion unter Druck, wodurch die Nachfrage nach Rohstoffen zurückging. In der zweiten Jahreshälfte war ein leichter Aufschwung zu verzeichnen.

Flüssiges Massengut

Beim Umschlag von flüssigem Massengut war ein leichter Rückgang von 1,5% zu verzeichnen. Der Umschlag von Rohöl stieg um 3,4% auf 101,2 Millionen Tonnen. Die Raffineriemargen in Nordwesteuropa haben sich im Laufe des Jahres erhöht, was zu einem größeren Rohölangebot führte. Der Umschlag von Mineralölprodukten verzeichnete einen Rückgang um 12,6%. Nach einer schwachen ersten Jahreshälfte stieg der Durchsatz in der zweiten Jahreshälfte, insbesondere im letzten Quartal. Die Preise für Ölprodukte lagen meist in einer sogenannten Backwardation. Gleichzeitig gab es kaum Preisunterschiede zwischen Märkten, die sich für Arbitragegeschäfte nutzen ließen.

Der Umschlag von LNG stieg um 15,1% auf 13,0 Millionen Tonnen. Der Hauptgrund war die Notwendigkeit, die europäischen Gasreserven nach 2024 wieder aufzufüllen.

Der Umschlag des sonstigen flüssigen Massenguts sank um 1,1 Millionen auf 34,3 Millionen Tonnen (-3,1%). Dies ist vor allem auf einen starken Rückgang des Umschlags von chemischen Erzeugnissen, einschließlich Methanol, zurückzuführen. Sowohl der Ethanol- als auch der SAF-Umschlag nahm zu. In der zweiten Jahreshälfte war ein leichter Aufschwung beim Umschlag von Biodiesel zu verzeichnen.

Container und Stückgut

Der Containerumschlag stieg um 3,1% auf 14,2 Millionen TEU. In Tonnage ausgedrückt, ging der Umschlag um 0,2% zurück. Der Durchsatz schwankte aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen und der Streiks zu Beginn und am Ende des Jahres.

Das Wachstum in TEU ist auf die um 9,3% gestiegenen Importe aus Asien zurückzuführen. In der zweiten Hälfte des Jahres stieg der Import schneller als in der ersten Hälfte. Mehr Importcontainer, geringere Exportvolumina aufgrund der sich verschlechternden europäischen Wettbewerbsposition und der Rückgang des Umschlags haben zu einem verstärkten Umschlag von Leercontainern geführt. Auch der Umschlag von und nach Nordamerika nahm in der zweiten Jahreshälfte weiter zu und verzeichnete ein Wachstum von 13,6%. Veränderungen in der Allianzstruktur der Schifffahrtsunternehmen haben zu einem Anstieg der Zahl der Dienste geführt. Der überfüllte Containerumschlag an den Kais hat dazu geführt, dass viele Umladungen in andere Häfen umgeleitet wurden. Dieses Segment verzeichnet einen Rückgang von 15,9% in TEU. Die Shortsea-Volumina sind stabil geblieben.

Der RoRo-Umschlag stieg um 0,9% auf 25,6 Millionen Tonnen. Die Volumina aus und in das Vereinigte Königreich wachsen nur langsam aufgrund des verhaltenen Wirtschaftswachstums in diesem wichtigen Markt. Das Segment des sonstigen Stückguts stieg um 4,6% auf 6,1 Millionen Tonnen. Der Anstieg des Umschlags ist auf eine höhere Umschlagmenge von Stahlprodukten, die Auslieferung von Offshore-Windfundamenten, Stahlrohren für das Porthos-Projekt sowie auf einen Zuwachs bei Aluminium zurückzuführen, das aufgrund von Importzöllen in den Vereinigten Staaten verstärkt an Unternehmen in Europa verkauft wird.

Die Port of Rotterdam Authority fordert eine konsequente, langfristige Politik zur Förderung des Investitionsklimas

In den letzten Jahren haben Regierungen, Netzbetreiber und Unternehmen hart daran gearbeitet, die Bedingungen für die niederländische Industrie im Vergleich zu den umliegenden Ländern zu verbessern. Erste Schritte wurden unternommen: Die Kunststoffabgabe wurde gestrichen, das System des indirekten Kostenausgleichs (IKC ETS) wurde wieder eingeführt, die niederländische CO₂-Abgabe zusätzlich zum europäischen ETS wurde ausgesetzt, und es wurde ein Beschluss über den Korrekturfaktor für Erneuerbaren Wasserstoff in Raffinerien gefasst.

Zentrale Hemmnisse wie die Stickstoffproblematik, Netzüberlastungen, hohe Energiekosten sowie im Vergleich zu den Nachbarländern höhere Netzentgelte sind jedoch weiterhin vorhanden.

Der Koalitionsvertrag der neuen niederländischen Regierung zeigt, dass die Koalitionsparteien diese drängenden Fragen angehen wollen, die für die Wettbewerbsfähigkeit, die künftige Ertragskraft und die strategische Bedeutung der Niederlande wesentlich sind. Die Port of Rotterdam Authority wird sich so bald wie möglich mit dem neuen Kabinett austauschen, und an der konkreten Ausarbeitung und Umsetzung entsprechender Maßnahmen mitwirken. Etwa im Rahmen der von den Koalitionsparteien geplanten Individualisierung von Clustern, um die Industrie nachhaltiger zu machen.

Die Niederlande profitieren von Investitionen in die Zukunft und von einer konsequenten, langfristigen Politik, die Unternehmen dazu ermutigt, in Nachhaltigkeit zu investieren. Dies ist entscheidend für eine gesunde Wirtschaft und damit für den Wohlstand und die Widerstandsfähigkeit der Niederlande. Neben den eigenen Investitionen in den Rotterdamer Hafen wird die Port of Rotterdam Authority auch weiterhin dafür sorgen, dass ausreichende Mittel für die strategische Industriepolitik und die Infrastruktur zur Verfügung stehen, z. B. für die Erneuerung und Instandhaltung von Straßen, Schienen und Wasserwegen.