Sicherer Hafen

Hafenbehörde Rotterdam und VOTOB gehen neuen Schritt im Kampf gegen Tanklager-Spoofing

6 Februar 2026
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Lesedauer: 4 Minuten

Im World Port Center wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Port of Rotterdam Authority und VOTOB (Verband der niederländischen Tanklagerunternehmen) unterzeichnet, um eine Arbeitsgruppe zur Fortsetzung und Ausweitung der Bekämpfung der Betrugsform Storage Spoofing einzurichten.

Mit diesem Schritt senden beide Parteien ein klares Signal an internationale Betrüger, die den Hafen von Rotterdam und andere Seehäfen mit dieser hartnäckigen Form des Betrugs ins Visier nehmen. Auch TCT The Commodity Traders sowie die Polizei (Seehafenpolizei, einschließlich des Teams Digitale Expertise) sind Teil der Arbeitsgruppe.

Vlnr: Marijn van Schoote, Direktor Ferm Zeehavens, Willem-Henk Streekstra, Direktor von VOTOB, Ronald Backers, Berater Business Intelligence Port of Rotterdam Authority
Vlnr: Marijn van Schoote, Direktor Ferm Zeehavens, Willem-Henk Streekstra, Direktor von VOTOB, Ronald Backers, Berater Business Intelligence Port of Rotterdam Authority

Storage Spoofing

Storage Spoofing bzw. Tanklager-Spoofing ist der in Rotterdam geprägte Sammelbegriff für alle Formen des Verkaufs nicht vorhandener Lagerkapazitäten und Bestände an Rohstoffen und Materialien in Terminals – insbesondere im Rotterdamer Hafengebiet.

Bei dieser Form des Internetbetrugs bieten Kriminelle ihre Geschäfte über gefälschte Websites an, die bekannte Tanklagerunternehmen imitieren. Zu den Opfern zählen einerseits internationale Händler, die getäuscht werden und erhebliche Summen an nicht existierende Geschäfte verlieren, und andererseits legitime Unternehmen im Hafengebiet, deren Namen und Daten missbraucht werden. In einigen Fällen erscheinen sogar Tanklastwagen vor Ort, um Produkte abzuholen, die es nicht gibt.

Der jährliche Schaden für Händler wird auf mindestens 10 Millionen Euro geschätzt, als Untergrenze auf Basis der bekannten tatsächlich gezahlten Beträge. Im Jahr 2025 wurden der Arbeitsgruppe Angebote mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro gemeldet. Darüber hinaus entstehen erhebliche Schäden für Unternehmen, deren Namen und Daten missbraucht werden, sowie ein Imageschaden für Häfen insgesamt.

„Mehrere unserer Mitglieder sind davon bereits seit Jahren betroffen“, sagt Willem-Henk Streekstra, Direktor von VOTOB. „Mit dieser Zusammenarbeit bieten wir professionelle Unterstützung, um Storage Spoofing einzudämmen. Es ist gut, dieses Thema gemeinsam mit der Hafenbehörde und anderen Partnern aktiv anzugehen. Gemeinsam können wir mehr erreichen als jeder für sich. Es bleibt äußerst ärgerlich, wenn der eigene Firmenname missbraucht wird und Menschen viel Geld verlieren.“

Historie und Arbeitsgruppe

Die ersten Beispiele dieser Betrugsform reichen etwa 15 Jahre zurück. Vor rund zehn Jahren begann die Zahl der Vorfälle zuzunehmen, weshalb 2017 unter dem Dach des damaligen Ferm Rotterdam  eine Arbeitsgruppe gegründet wurde.

Unter anderem wurde eine Aufklärungskampagne gestartet, die den Grundstein für die heutige Arbeitsgruppe gelegt hat. Über Interviews, Hintergrundartikel und Hilfsmittel auf der Website sowie eine Blacklist mit unseriösen Websites und eine Whitelist mit sicheren Anlaufstellen für Unternehmer wurde der Kampf gegen sogenannte „Storage Spoofer“ aufgenommen. Die Blacklist mit betrügerischen Websites umfasst mittlerweile mehr als 1.250 Domains und wird kontinuierlich erweitert.

Die Arbeitsgruppe – bestehend aus Ferm, der Port of Rotterdam Authority, der Seehafenpolizei und mehreren VOTOB-Mitgliedern – ging 2020 eine Zusammenarbeit mit der Stiftung Internet Domainregistrierung Niederlande (SIDN) und 2024 mit The Commodity Traders ein. SIDN unterstützt beim Offline-Nehmen betrügerischer Websites mit einer .nl-Domain. TCT unterstützt die Arbeitsgruppe bei der Due Diligence, um die Zuverlässigkeit angebotener Geschäfte und Dokumente zu prüfen und festzustellen, welche Websites auf die Blacklist gehören. Täglich werden Betrugsfälle verhindert.

Neue Zusammenarbeit

Die Arbeitsgruppe war unter der Stiftung Ferm zuvor unter der Domain ferm-rotterdam.nl/storage-spoofing erreichbar und ist nun mit sofortiger Wirkung auf www.storagespoofing.nl umgezogen – eine Plattform der Port of Rotterdam Authority von VOTOB, TCT und der Seehafenpolizei. Seitens VOTOB nehmen auch mehrere Terminals im Hafen von Rotterdam an der Arbeitsgruppe teil.

„Ferm Zeehavens ist eine landesweite Plattform für die Cyber-Resilienz und Widerstandsfähigkeit der Seehäfen von nationaler Bedeutung“, sagt Marijn van Schoote, Direktor von Ferm Zeehavens. „Storage Spoofing ist eine Form digitalisierter Kriminalität, die die Wirtschaft und die Integrität der Häfen ebenso betrifft wie die Menschen, die dort arbeiten. Deshalb ist es wichtig, dass diese neue Zusammenarbeit für eine dauerhafte Aufmerksamkeit im Kampf gegen diese Betrugsform sorgt. Wir freuen uns sehr, dass die Hafenbehörde Rotterdam und VOTOB diese Dringlichkeit erkennen.“

Die wichtigsten Mittel der Betrüger sind gefälschte Websites, E-Mails und andere Formen digitalen Kontakts auf Vertrauensbasis sowie manipulierte Dokumente. Viele Informationen über (gespoofte) Unternehmen sind frei zugänglich (über Websites, Handelsregister, Google Maps usw.) und lassen sich leicht kopieren. Dadurch ist eine unüberschaubare Anzahl unseriöser Websites entstanden, die zunehmend kaum noch von echten zu unterscheiden sind. Die Arbeitsgruppe setzt sich aktiv dafür ein, diese Websites aufzuspüren, zu blacklisten und offline zu nehmen.